G O K
Der Verein
Seite 2

Stand: 22.02.2012


Herzlich

Willkommen

Die Geschichte der G O K  Teil 4   Seite 1

Auszug aus der Jubiläumsausgabe anlässlich 75 Jahre GOK

verfaßt und geschrieben von unserem damaligen GOK - Mitglied   D. Kusenberg

freundlicherweise zur Verfügung gestellt von unserem Ehrenpräsidenten Heinz Hartmann

Abgeschrieben von Gabriele Vennemann

Die Osterfelder Fastnacht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die Napoleonischen Kriege waren vorüber und eine der Auswirkungen der Ereignisse des frühen 19. Jahrhunderts war, daß das Vest Recklinghausen und mit ihm Osterfeld an Preußen kam. Hier waren die Preußen nicht gerade beliebt. Sie verstanden die biederen und eher verschlossenen Bauern nicht, die beim Herannahen der Fastnachtszeit sich völlig anders gebährdeten, als man es von ihnen erwartete. Osterfeld feierte seinen Fachtnacht nach alter Tradition und wie wir aus den Verboten wissen, ging dieses nicht gerade sanft vor sich. Die neuen Landesherren hatten alle Hände voll zu tun, um Ruhe und Ordnung einigermaßen aufrecht zu  erhalten. Der Pfarrer von St. Pankratius und der Ortsgendarm sahen die tollen Tage immer mit gemischten Gefühlen auf sich zukommen. Es wird berichtet, daß die Osterfelder Fachtnachtsteilnehmer Samstags vor Fachtnacht so lange soffen, bis sie “wie Leichen unter den Tischen lägen”. Daß Schlägereien und Streitigkeiten sowie andere Auswüchse aufgrund des zu starken Alkoholkonsums vorkamen, läßt sich denken.

Die Strafpredigt, die Pfarrer Terlunen am nächsten Morgen gehalten haben wird, wird sich wohl gewaschen haben. Bis Dienstag war dann allgemein Ruhe. Der Montag diente dazu, alte Masken und Verkleidungen wieder herzurichten. Nicht schön wollten sie aussehen, sondern häßlich und abschreckend. So versammelten sich am Dienstag früh vor der Osterfelder Pankratius Kirche finstere Gestalten wie Hexen, Teufel, Zwerge und alle möglichen grotestken Figuren. In den Händen hielten sie Rasseln, Trommeln und andere Gegenstände, um Lärm zu erzeugen. Es fehlten auch nicht die Körbe, in denen Eß- und Trinkbares eingesammelt werden sollte.

Die Gruppe, die sich hier versammelt hatte, wartete noch auf die Vonderorter. Als diese eintrafen, ging der Zug los, das sogenannte “Bliesenjagen” hatte angefangen. Unter Gesang und ohrenbetäubenden Lärm ging der Zug zunächst zum Venbuer und dann zum Eschenbrocks Hof. Mitgeführt werden die sogenannten “Schüttegaffeln”. Die Schüttegaffeln waren Holzstangen, welche mit bunten Bändern und Tannengrün verziert waren. Auf ihnen sollten bald Würste, Speck und Schinken hängen. Auf dem Weg von einem Bauer zum anderen sang man unter anderen die überlieferten Lieder. Zum Beispiel:

Faschlowend kömmt heran, Et rappelt in de Bössen. Onse Magd on onse Knecht, sprengt woll övver de Klösse (Klötze). Gett de Ledder an de Wand, Krieg de Mettwoß bi de Hand, Gävv ons van de langen, lott die kotten hangen, lott dat Messer senken, Deipe en den Schenken. Hier en Ei, on dor en Ei, Mettwoß oder Leverwoß Dat eß enerlei.

Van hier büß no Essen, do gebt et wat te fressen, lott ons nech so lange stohn, mot noch en Hüsken widder gohn, van hier büß nach Botterop (Bottrop) Do geft et wat met’n Knüppel drop, van hier büß nach Amsterdam, do geft et’n Stuten Botteram.

Der Zug ging über den Stemmersberg, den Rothebusch, den Vonderberg bis hinein nach Vonderort. Dabei hatte der Konsum an Schnaps die Beteiligten immer lauter und frecher werden lassen. Vor den Bauernhäusern trug man Vorgänge, die innerhalb der Gemeinde sich während des vorigen Jahres ereigneten, vor. Dieses tat man in recht drastischer Form und man wurde dabei oft sehr direkt, was nicht selten böses Blut gab.

Die Vorgänge wurden von den Beteiligten des Bliesenjagens in Form eines Theaterstückes vorgetragen und man vergaß auch nicht Ereignisse aus dem Privatleben Osterfelder Bürger.

Die letzten Stationen des Zuges waren das Haus Hove, der Armeler Hof, der Steinhaus Hof, das Haus Vondern und der Brockhoffs Hof. Um den ausreichenden Lärm zu erzeugen, bediente man sich des sogenannten “Rummelspottes”. Er wurde auch “Knurrpott” genannt. Ein Steinguttopf wurde an seiner Öffnung mit einer Schweinsblase überspannt. Durch die Blase wurde ein Rohr gesteckt, das man auf- und abzog, was einen dumpfen Ton hervorrief. Die “Bösse” in unserem Fachtnachtslied (Et rappelt in de Bössen) ist dieser “Rummelspott”. Auch trug man aufgeblasene Schweinsblasen mit, die an einem Stock hing und in die man Erbsen gesteckt hatte. Mit dieser Blase schlug man Zuschauer des Bliesenzuges, was den gewünschten Lärm erzeugte, aber niemanden verletzte, Auf den adligen Häusern und den Höfen selbst war das Fastnachtsfest mit dem Besuch des Bliesenzuges nicht vorbei. Eigentlich begann man schon am Mittag. Die Mutter hatte am Morgen aus dem Dorf genügend Bier besorgt. Die Vorratskammern waren offen und wie jedes Jahr gab es “Fastnachtspannenkauk” und “Erften”.

Dieser Mettwurstpfannkuchen, zu dem Erbsensuppe gereicht wurde, ist uralte Osterfelder Fachtnachttradition.